{"id":23949,"date":"2021-06-25T00:00:00","date_gmt":"2021-06-24T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.siroko.com\/blog\/c\/frauen-und-radsport-der-kampf-fur-mehr-gleichberechtigung\/"},"modified":"2021-09-15T13:24:58","modified_gmt":"2021-09-15T11:24:58","slug":"frauen-und-radsport-der-kampf-fur-mehr-gleichberechtigung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.siroko.com\/blog\/c\/de\/frauen-und-radsport-der-kampf-fur-mehr-gleichberechtigung\/","title":{"rendered":"Frauen und Radsport: Der Kampf f\u00fcr mehr Gleichberechtigung"},"content":{"rendered":"<p><b><\/b><span style=\"font-weight: 400;\">Radsportlerinnen und Frauen, die das Fahrrad als Verkehrsmittel nutzen, k\u00e4mpfen darum, bei der Zukunftsgestaltung ber\u00fccksichtigt zu werden, soziale und kulturelle Barrieren abzubauen und als den M\u00e4nnern gegen\u00fcber gleichberechtigt angesehen zu werden. Hier nur 4 der vielen Fronten, an denen die Frauen derzeit k\u00e4mpfen:<\/span><\/p>\n<h3><b>Die St\u00e4dte sicherer machen<\/b><\/h3>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Wie oft hast du schon geh\u00f6rt, dass ein weibliches Vergewaltigungs- oder Mordopfer &#8220;nicht so sp\u00e4t allein nach Hause h\u00e4tte gehen sollen&#8221;. Victim Blaming zeugt von einem totalen Mangel an Empathie und v\u00f6lliger Ignoranz gegen\u00fcber den Gefahren, denen Frauen sich tagt\u00e4glich ausgesetzt sehen. Ja wirklich, tagt\u00e4glich, denn jeden Tag m\u00fcssen Frauen Entscheidungen bez\u00fcglich ihrer eigenen Sicherheit treffen. Entscheidungen, die f\u00fcr M\u00e4nner eher selten von Relevanz sind.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.siroko.com\/blog\/c\/app\/uploads\/2021\/07\/women-riding-2.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Allein die Stra\u00dfen entlang zu gehen, \u00f6ffentliche Verkehrsmittel oder ein Taxi zu nehmen&#8230; all das birgt Gefahren. Das gilt zwar auch f\u00fcr das Fahrradfahren, doch zumindest ist das Rad ein Transportmittel, das einen Teil der Gefahren reduziert und den Frauen die fast vollst\u00e4ndige Kontrolle \u00fcber Weg, Geschwindigkeit und Zeitpunkt erlaubt. Wir sagen &#8220;fast&#8221;, denn ohne geeignete Infrastruktur werden Frauen nicht nur seltener das Fahrrad benutzen, sondern auch anderen Gefahren ausgesetzt sein. Weniger \u00f6ffentliche Bel\u00e4stigung im Tausch gegen die st\u00e4ndige Angst, von einem Auto angefahren zu werden, ist keine L\u00f6sung.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Deshalb ist es wichtig, in die Fahrradinfrastruktur zu investieren. Es braucht ein Netz von Fahrradwegen und entsprechende Investitionen. Dieses Radwegenetz sollte nicht nur die Ein- und Ausg\u00e4nge der Stadt miteinander verbinden und so den Pendlern zugutekommen, sondern sich auch Freizeit- und Wohngebiete erstrecken.\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Je fahrradunfreundlicher eine Stadt ist, desto weniger Frauen, Kinder und \u00e4ltere Menschen werden sich mit dem Fahrrad fortbewegen. Deshalb k\u00f6nnen wir alle nur von einer Infrastruktur profitieren, der ein feministischer Ansatz zugrunde liegt. Mit vom Autoverkehr getrennten und gut beleuchteten Radwegen, die so jederzeit genutzt werden k\u00f6nnen und mit leicht zug\u00e4nglichen und \u00fcberwachten Fahrradst\u00e4ndern, die sich in N\u00e4he anderer Verkehrsmittel oder Freizeitanlagen befinden und an denen wir unsere R\u00e4der sicher abstellen k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Tatsache ist, dass dort, wo in den Radverkehr investiert wird, <\/span><a href=\"https:\/\/cyclingsolutions.info\/embassy\/danish-cycling-statistics\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\"><span style=\"font-weight: 400;\">zum Beispiel in D\u00e4nemark<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, mehr Frauen als M\u00e4nner das Fahrrad benutzen.\u00a0<\/span><\/p>\n<h3><b>Frauen sind nicht das schw\u00e4chere Geschlecht<\/b><\/h3>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Aus Punkt 1 k\u00f6nnte man schlie\u00dfen, dass Frauen in der Stadt seltener das Fahrrad benutzen, weil sie nicht so stark oder &#8220;tough&#8221; sind wie M\u00e4nner und sich leicht einsch\u00fcchtern lassen. Dieser Glaube ist seit vielen Jahren in unserer Kultur verankert und obwohl wir ihn mehr und mehr hinter uns lassen, bekommen wir immer noch herablassende Aussagen voller Sexismus, patriarchalischer Vorstellungen, Ungleichheit und Herablassung zu h\u00f6ren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Es steht au\u00dfer Zweifel, dass Frauen andere k\u00f6rperliche Voraussetzungen haben als M\u00e4nner und dass u.a. Hormone eine gro\u00dfe Rolle dabei spielen, wie stark Frauen sind. Doch das bedeutet nicht, dass sie nicht z\u00e4h, belastbar und mutig sind.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.siroko.com\/blog\/c\/app\/uploads\/2021\/07\/siroko-woman.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Erstens bekommt eine Frau jeden Monat ihre Periode, ist in der Lage, ein Kind 9 Monate lang in ihrem Bauch zu tragen und es zu geb\u00e4ren. Und all das, w\u00e4hrend sie genauso viel oder mehr arbeitet als ein Mann. Wenn dir das noch nicht reicht, lass uns f\u00fcr einen Moment erneut auf D\u00e4nemark schauen. In diesem europ\u00e4ischen Land sind die Winter alles andere als warm. K\u00e4lte, Schnee und schlechtes Wetter sind auf d\u00e4nischen Radwegen an der Tagesordnung und trotzdem sind die meisten d\u00e4nischen Radfahrer Frauen. Werfen wir nun einen Blick auf die Stadt Minneapolis, die zusammen mit St. Paul die Twin Cities bildet. Die durchschnittliche Jahrestemperatur betr\u00e4gt 7,4 \u00baC und damit ist Minneapolis die k\u00e4lteste aller Metropolregionen des Landes. Obwohl der Anteil der radfahrenden Frauen in der Stadt bei weitem nicht so beeindruckend ist wie in D\u00e4nemark, <\/span><a href=\"https:\/\/www.startribune.com\/women-bike-more-in-minneapolis\/125420298\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\"><span style=\"font-weight: 400;\">ist er doch der h\u00f6chste in den gesamten Vereinigten Staaten<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Frauen haben ihre St\u00e4rke und Ausdauer im Radsport mehr als einmal unter Beweis gestellt. Es gibt viele M\u00e4dchen, die vor ihren m\u00e4nnlichen Konkurrenten ins Ziel kommen und auch im Radsport gilt (wie in fast jeder Sportart auch): Es ist egal, wie sehr Mann man ist, wenn man nicht trainiert, hat man niemandem gegen\u00fcber einen Vorteil. Ganz zu schweigen von der mentalen St\u00e4rke, der F\u00e4higkeit H\u00fcrden zu \u00fcberwinden und zu k\u00e4mpfen. Einfach ausgedr\u00fcckt: M\u00e4dchen sind genauso gut und stark wie Jungen.<\/span><\/p>\n<h3><b>Die eigene Identit\u00e4t entwickeln<\/b><\/h3>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die vom Patriarchat festgelegte weibliche Identit\u00e4t definiert, was weiblich ist und was nicht. Eine der gr\u00f6\u00dften H\u00fcrden f\u00fcr Frauen, die Spa\u00df am Radsport haben oder ihn aus\u00fcben, ist der Glaube, dass der Radsport kein Sport f\u00fcr M\u00e4dchen ist, dass er zu gef\u00e4hrlich oder einfach nicht schicklich ist. Du hast das sicher schon mehr als einmal geh\u00f6rt und kennst Geschichten von M\u00e4dchen und Jungen, die ihren Traum aufgrund des sozialen und kulturellen Drucks aufgegeben haben. Gl\u00fccklicherweise aber wird immer mehr daf\u00fcr getan, um den Mythos rein m\u00e4nnlicher oder weiblicher Sportarten zu entzaubern.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.siroko.com\/blog\/c\/app\/uploads\/2021\/07\/women-riding.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Es gibt Fortschritte, aber es liegt noch ein langer Weg vor uns. In L\u00e4ndern wie den Niederlanden, in denen Frauen mindestens genauso viel Rad fahren wie M\u00e4nner, w\u00fcrde man einen \u00e4hnlichen Anteil von M\u00e4nnern und Frauen im Profiradsport erwarten, doch stattdessen nehmen &#8220;nur&#8221; 9 % der Frauen an Radrennen teil, aber 16 % der M\u00e4nner. Dennoch dominieren niederl\u00e4ndische Radsportlerinnen den professionellen Radsport, und das bringt uns zu folgendem Punkt.<\/span><\/p>\n<h3><b>Geschlechtsspezifisches Lohngef\u00e4lle und ungleiche Karrierechancen<\/b><\/h3>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ungleiche Karrierechancen meint, dass Radsportlerinnen nicht den gleichen Zugang zu Profirennen haben wie M\u00e4nner. Es ist richtig, dass Schritte unternommen wurden und mehr und mehr daf\u00fcr getan wird, dass bei allen gro\u00dfen Veranstaltungen sowohl M\u00e4nner als auch Frauen an den Start gehen. Zum Beispiel werden dieses Jahr zum ersten Mal in der Geschichte Frauen auf dem Kopfsteinpflaster von Paris-Roubaix antreten, aber nach wie vor gibt es keine Tour de France oder Vuelta a Espa\u00f1a f\u00fcr Damen. Das hei\u00dft, es gibt nach wie vor einen Unterschied hinsichtlich der Anzahl und der Bedeutung der Rennen, an denen Frauen teilnehmen k\u00f6nnen. Und das wirkt sich direkt auf die unteren Klassen aus und schafft einen Teufelskreis: Keine Rennen hei\u00dft keine jungen weiblichen Talente und keine Radsportlerinnen hei\u00dft keine Rennen. Es gibt also noch viel zu tun, angefangen bei der Basis, \u00fcber das Sponsoring und die Mitwirkung der Ausrichter bis hin zur Medienberichterstattung.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Bei den Geh\u00e4ltern im Spitzendamenradsport wurden zwar Fortschritte erzielt, aber das Lohngef\u00e4lle betr\u00e4gt immer noch rund 40 %. Die UCI hat das Mindestgehalt f\u00fcr die WorldTour-Damenteams 2021 auf 20.000 Euro pro Jahr festgelegt. Und bis 2023 wird es auf 32.100 Euro angehoben. Du denkst vielleicht, dass das nicht so schlecht ist, ein anst\u00e4ndiges Gehalt und das mit Aussicht auf mehr, aber \u20ac32.100 entspricht dem Mindestgehalt eines m\u00e4nnlichen Fahrers in einem Pro-Continental-Team, sprich der zweiten Liga des Profiradsports. Gl\u00fccklicherweise gibt es Teams wie Trek-Segafredo und Bike Exchange, die weitergegangen sind als die UCI und die das Mindestgehalt ihrer WorldTour-Damenteams mit 40.000\u20ac an das der Herren angepasst haben.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Richtig krass wird das Lohngef\u00e4lle, sobald man die bestbezahlten Radsportler der Welt miteinander vergleicht: Chris Froome bekommt ein Gehalt von rund 5,5 Millionen Euro und Annemiek van Vleuten verdient 125.000 Euro. Geht man eine Stufe tiefer und vergleicht die Damen- und Herrenteams der unteren Ligen miteinander, stellt man fest, dass es bei den Damenteams anders als bei den Herren gar kein Mindestgehalt gibt. Das bedeutet schlicht und einfach, dass viele der \u00fcber 600 Frauen in den 52 Teams der zweiten Damenradsportliga umsonst fahren, aus reiner Liebe und Leidenschaft zum und f\u00fcr den Radsport. Also wer ist hier hart im Nehmen? <\/span><a href=\"https:\/\/cyclistsalliance.org\/2020\/11\/the-cyclists-alliance-rider-survey-2020\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\"><i><span style=\"font-weight: 400;\">Die Cyclists&#8217; Alliance hat k\u00fcrzlich eine alarmierende Umfrage ver\u00f6ffentlicht<\/span><\/i><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, nach der die Zahl der Frauen, die \u00fcberhaupt nicht bezahlt werden, im Jahr 2020 um 8 % gestiegen ist und nach der 43 % der Fahrerinnen ihren Teams die Kosten f\u00fcr Ausr\u00fcstung, mechanischen Service, medizinische Versorgung und Reisekosten zur\u00fcckerstatten mussten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Es liegt eindeutig noch ein langer Weg vor uns, aber wenn wir alle &#8211; M\u00e4nner und Frauen &#8211; uns den Frauen in ihrem Kampf anschlie\u00dfen und mit ihnen gemeinsam an diesen Fronten (und noch vielen weiteren) k\u00e4mpfen, wird der Weg zu mehr Gleichberechtigung kein Rennen mit so vielen H\u00fcrden mehr sein. Lasst uns k\u00e4mpfen und in die Pedale treten!<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Radsportlerinnen und Frauen, die das Fahrrad als Verkehrsmittel nutzen, k\u00e4mpfen darum, bei der Zukunftsgestaltung ber\u00fccksichtigt zu werden, soziale und kulturelle Barrieren abzubauen und als den M\u00e4nnern gegen\u00fcber gleichberechtigt angesehen zu werden. 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